Ergebnisse der Umweltverträglichkeitsstudie

Exkursion östlich von Kierspe 

Ergebnisse der Kartierungen und Vorarbeiten 

 

Schutzgüter 

Zu den Schutzgütern zählt innerhalb einer Risikoanalyse alles, was aufgrund seines ideellen, materiellen oder sonstigen besonderen Wertes vor einem Schaden bewahrt werden soll. 

 

Menschen, insbesondere die menschliche Gesundheit 

Die Streusiedlungen “Niederhohenholten”, “Oberhohenholten” und “Nühlenerfüllen für den Menschen drei Funktionen. Sie sind Wohn- und Erholungsraum und auch Orte, an denen man seine Freizeit verbringt (z.B. im Reitverein). 

Die Menschen verbringen auch in den umliegenden Wäldern  und Freiflächen ihre Freizeit und erholen sich an der frischen Luft z.B. beim Spazieren gehen, Radfahren und Reiten.

 

Tiere, Pflanzen und biologische Vielfalt

 

Vögel

An den Gebäuden Hohenholtens und in deren Umgebung brüten mehrere Vogelarten. Im Sommer 2020 wurden zahlreiche Nester gezählt: 28 der Rauchschwalbe, 24 des Haussperlings, 8 des Feldsperlings, 4 des Stars, 4 der Wacholderdrossel und der Horst eines Turmfalkenpaares in Niederhohenholten. 

Im oberen Rauzerbachtal innerhalb der Pferdeweiden hatte ein Neuntöter sein Revier angelegt. Nordwestlich von Nühlen richteten sich Raubwürger ein Winterquartier ein. Nach dem großzügigen Aufbringen von Gülle im zeitigen Frühjahr haben wir diesen Vogel allerdings nicht mehr gesehen. 

Als Nahrungsgäste konnten unter anderen Rot- und Schwarzmilan, Mäusebussard, Sperber, Uhu, Waldkauz, Waldohreule und Wanderfalke beobachtet werden. Auch Graureiher und Schwarzstorch kamen regelmäßig zur Beutejagd. Als rastende Durchzügler wurden Steinschmätzer und Feldlerche kartiert. 

In den nördlichen Wäldern des Dörrenbergs versuchten mehrere Trauerschnäpperpaare zu brüten. 

Darüber hinaus kann man natürlich auch zahlreiche Standvögel und Durchzügler der Singvogelarten beobachten. 

 

Fledermäuse

Auf dem Weg zwischen Niederhohenholten und Kierspe Dorf zeichneten wir nachts eine der höchsten Anzahlen an Fledermausrufen auf.  

Am häufigsten ist dabei die Zwergfledermaus anzutreffen, aber auch andere Arten gibt es im Exkursionsraum. Das sind Bartfledermaus, Rauhautfledermaus, Großes Mausohr und Fransenfledermaus. Sehr selten findet man die Bechsteinfledermaus. 

Auf der gesamten Wegstrecke sind entlang der Bäume und Sträucher am Wegrand Fledermausjagdgebiete. Dort fliegen überall Zwergfledermäuse.

 

Sonstige Säugetiere

Gegenüber der Trafostation am Dörrenberg lebt in den Gebüschen am Waldrand die Haselmaus. In den dort ausgebrachten Röhren fanden wir sowohl Kobel, als auch Haselmäuse mit Nachwuchs. 

Im Exkursionsraum befinden sich mehrere Dachsbauten. Drei davon liegen innerhalb des bewaldeten Teils des Rauzerbachtals.

 

Amphibien und Reptilien

Auf den nichtbewaldeten Flächen des nördlichen Rauzerbachtals leben Ringelnattern, Blindschleichen und Waldeidechsen. Die Blindschleichen fühlen sich auch auf den Kahlschlägen am Dörrenberg wohl. 

Leider gibt es in den Gewässern in und um Hohenholten keine Hinweise auf Amphibien. 2021 wurden während der Nachkartierung Grasfrösche, Erdkröten und Molche gefunden.

 

 

Strukturreichtum

Niederhohenholten zeichnet sich durch einen hohen Reichtum an unterschiedlichen Strukturen aus. Es gibt auf relativ kleiner Fläche Wiesen, Wälder, Hecken, Baumreihen, eine Obstwiese, Quellbereiche und Teiche. Das bietet Lebensraum für viele verschiedene Tier- und Pflanzenarten mit ihren individuellen Ansprüchen, was die biologische Vielfalt des Gebiets fördert.

 

Schutzgebiete

Das Rauzerbachtal ist als Biotopkatasterfläche “naturnaher Bachlauf Rauzerbach und umliegende Feuchtbiotope östlich Kierspe” eingetragen, d.h., dass der naturnahe Zustand des Tals erhalten und möglicherweise ausgebaut werden soll, auch um eine Verbindung zu anderen Feuchtbiotopen der Umgebung herzustellen. Innerhalb dieser Fläche liegt das gesetzlich geschützte Biotop “Seggen- und binsenreiche Nasswiesen”. 

Nördlich ist das “Herzhorn-Tal” als Naturschutzgebiet ausgewiesen. Das Ziel hierbei ist das gesamte Tal mit seinen unterschiedlichen Lebensräumen (z.B. Erlen-/Eschenwald, Nass- und Feuchtgrünland) zu erhalten und möglicherweise noch zu verbessern.

 

Klima und Luft  

Große Teile des Waldes haben eine hohe Klimaschutzfunktion.

 

Landschaft

Die Kiersper Umgebung zeichnet sich aus durch einen charakteristischen Wechsel von Wald und Grünland. Die Landschaft ist geprägt vom häufigen Unterschieden zwischen den Höhen der Berggipfel und den Niederungen der Bachtäler. Im Bereich der Straßen und Wege stehen viele Einzelbäume. Besonders zu erwähnen ist hier die etwa 300 Jahre alte ”Kaiser-Wilhelm-Linde” an der Thingslindenstraße.

 

Boden  

Die feuchten Böden des Rauzerbachtals sind äußerst empfindlich und sehr schutzwürdig.  

Alle an Steilhängen wachsenden Wälder sind Bodenschutzwald. Die Bäume sollen mit ihren Wurzeln die Abtragung von Boden verhindern. 

Altablagerungen sind in Niederhohenholten und in Bereichen der Blankenberger Höhe zu finden. 

Ein Bodendenkmal befindet sich an der “Thingslinde”.

 

Fläche

Bei der Beurteilung der Fläche wird der Grad der Zerschneidung von Lebensräumen ermittelt und zwischen Freiflächen wie Wäldern/Gehölzen, Offenländern oder Gewässern und versiegelten bzw. bebauten Bereichen unterschieden.

 

Wasser

Bemerkenswert sind die zahlreichen naturnahen Quellen. Hoch empfindlich ist das Wasser in den Talauen des Rauzerbaches und der Herzhorn, da dort das Grundwasser dicht an die Bodenoberfläche herankommt.

 

Kulturelles Erbe und sonstige Sachgüter

Die etwa 500 Jahre alte Thingslindeam Dorfausgang ist durch ihre historische Bedeutung als Gerichtsplatz ein Kulturdenkmal. Seit dem 15. Jahrhundert sind Gerichtsverfahren an diesem Ort nachgewiesen.

Auch dem Kiersper Dichter Fritz Linde, der in Kierspe geboren wurde, gelebt hat und gestorben ist, wurde mit dem gleichnamigen Stein ein Denkmal gesetzt.

WordPress Cookie Hinweis von Real Cookie Banner