Ortsumgehung Kierspe

Ergebnisse der Umweltverträglichkeitsstudie

Schutzgüter

Zu den Schutzgütern zählt innerhalb einer Risikoanalyse alles, was aufgrund seines ideellen, materiellen oder sonstigen besonderen Wertes vor einem Schaden bewahrt werden soll.

Exkursion 2: nördlich von Kierspe

Ergebnisse der Kartierungen und Vorarbeiten

 

Menschen, insbesondere die menschliche Gesundheit

Die Streusiedlungen “Vor der Brücke”, “Oberbremecke”, “Auf der Mark”, “Werfelscheid” und “Wolzenburg” erfüllen für den Menschen drei Funktionen. Sie sind Wohn- und Erholungsraum und auch Orte, an denen man seiner Erwerbstätigkeit nachgeht.

Die Menschen verbringen zudem in den umliegenden Wäldern und Freiflächen ihre Freizeit und erholen sich an der frischen Luft z.B. beim Spazieren gehen, Radfahren und Reiten.

 

Tiere, Pflanzen und biologische Vielfalt

 

Vögel

In allen Streusiedlungen und in deren Umgebung brüten mehrere Vogelarten. Im Sommer 2020 wurden zahlreiche Nester gezählt: 4 der Rauchschwalbe (darüber hinaus zwei Paare mit Brutversuch), über 30 des Haussperlings, 6 des Feldsperlings, 2 des Stars, 8 der Wacholderdrossel und der Horst eines Turmfalkenpaares in Wolzenburg.

Im Süden des Lunkenholzes nahe Wolzenburg wurde das Revier eines Neuntöters registriert.

Als Nahrungsgäste auf den Freiflächen konnten unter anderen Rotmilan, Mäusebussard, Sperber, Turm- und Wanderfalke beobachtet werden. In den Laubwäldern hatten Waldlaubsänger Fitis und Baumpieper Reviere eingerichtet.

Darüber hinaus kann man natürlich auch zahlreiche Standvögel und Durchzügler anderer Vogelarten beobachten.

Nördlich der Siedlung “Auf der Mark” im Randbereich des Naturschutzgebietes und darüber hinaus befindet sich das Revier eines Grauspechts. Er benötigt ungestörte, ursprüngliche Wälder mit natürlichen Altersstrukturen. Der Erhaltungszustand der Art ist schlecht, sie gilt als stark gefährdet. In NRW findet man den Grauspecht fast ausschließlich in den Mittelgebirgen.

 

Fledermäuse

Auf dem Weg zwischen Auf der Mark und Werfelscheid zeichneten wir nachts eine der höchsten Anzahlen an Fledermausrufen auf.

Am häufigsten ist dabei auch hier die Zwergfledermaus anzutreffen, aber andere Arten gibt es im Exkursionsraum ebenso. Das sind Braunes bzw. Graues Langohr, Rauhautfledermaus und Fransenfledermaus. Sehr selten findet man die Bechsteinfledermaus und den Abendsegler.

Besonders im Spätsommer sind im Umfeld der Teiche im Winkel/Vogelsangsfeld viele Fledermäuse auf der Jagd. Scheinbar gibt es in diesem Feuchtbereich immer noch genug Insekten, wenn die Nahrung in anderen Gebieten knapper wird.

 

Sonstige Säugetiere

Haselmäuse konnten im Norden Kierspes nur am Wegrand beim Lunkenholz nachgewiesen werden. Hier wurde eine der ausgebrachten Niströhren von Haselmäusen besetzt. Allerdings wurden keine Jungtiere gefunden.

Südlich des Lunkenholzes wurde ein Dachsbau kartiert.

 

Amphibien und Reptilien

Auf den trockenen Südhängen im Vogelsangsfeld und in der Schlenke leben Blindschleichen und Waldeidechsen.

In den Teichen im Winkel/Vogelsangsfeld konnten Grasfrösche nachgewiesen werden. Die Gewässer und Feuchtgebiete in und um Werfelscheid und Eickmannsholt waren Fundort für Erdkröten, Grasfrosch und Feuersalamander

 

Strukturreichtum

Auch das Gebiet nördlich von Kierspe bietet eine abwechslungsreiche Landschaft mit Freiflächen, Heckenstrukturen, Einzelbäumen, Waldgebieten und Bachläufen. Viele verschiedene Tier- und Pflanzenarten mit ihren jeweils individuellen Ansprüchen finden hier Lebensraum.

 

Schutzgebiete

Nördlich der Siedlung “Auf der Mark” liegt das gleichnamige Naturschutzgebiet. Es zeichnet sich durch einen regional bedeutsamen Waldkomplex aus Bach-Erlen-Eschenwald, Erlensumpfwald und Moorbirkenbruch sowie durch ein wertvolles Quellgebiet mit flechten-, torfmoos- und pfeifengrasreichen Eichen-Birkenwäldern aus. Dort findet man ein naturnahes Bachsystem, Vermoorungszonen und eine kleine Wacholderheide.

Nahe den Teichen im Winkel/Vogelsangsfeld liegt hangabwärts ein geschütztes Biotop. Es handelt sich um Nass- bzw. Feuchtwiesen, die seggen- und binsenreich sind.

 

Klima und Luft

Die Wälder rund um die Ortschaft “Auf der Mark” haben eine hohe Klimaschutzfunktion. Östlich davon sind sie auch wichtig als lufthygienischer Filter.

 

Landschaft

Auch die Landschaft im Kiersper Norden zeichnet sich durch einen für das Sauerland charakteristischen Wechsel von Wald und Grünland aus. Sie ist geprägt von häufigen Unterschieden zwischen den Höhen der Berge und den Niederungen der Bachtäler, die zwar nicht so gravierend ausfallen wie in Kierspes Osten, aber dennoch deutlich wahrzunehmen sind.

Das Landschaftsbild ist allerdings durch die querende Hochspannungstrasse deutlich vorbelastet.

 

Boden

Die feuchten Böden der Bachniederungen sind äußerst empfindlich und sehr schutzwürdig. Das Grundwasser steht hier dicht unter der Erdoberfläche an.

Altablagerungen sind in der Nähe der Zufahrt nach Oberbremecke zu finden.

 

Fläche

Bei der Beurteilung der Fläche wird der Grad der Zerschneidung von Lebensräumen ermittelt und zwischen Freiflächen wie Wäldern/Gehölzen, Offenländern oder Gewässern und versiegelten bzw. bebauten Bereichen unterschieden.

 

Wasser

Bemerkenswert besonders im nördlichen Bereich sind die zahlreichen naturnahen Quellen. Das gesamte Exkursionsgebiet liegt im Wasserschutzgebiet Zone II. Das bedeutet besondere Anforderungen bezüglich der Abwässer, aber auch jeder Art der Bebauung und der Landwirtschaft (bei letzterer beispielsweise bezüglich der Düngung).

 

Kulturelles Erbe und sonstige Sachgüter

Dem Kiersper Dichter Fritz Linde, der in Kierspe geboren wurde, gelebt hat und gestorben ist, wurde mit dem gleichnamigen Stein ein Denkmal gesetzt.

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